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Der View-Master ist ein Betrachtungsgerät für stereoskopische Bilder, die als Dias auf einer Pappscheibe aufgebracht sind.

Original ViewMaster Demoscheibe.

Entstanden ist der View-Master gegen 1939 als Unterhaltungssystem für zuhause. Zur damaligen Zeit stellte er eine Verbesserung zu den verbreiteten Stereoskopen dar, bei denen zum Betrachten des nächsten Bildes eine neue Fotokarte eingelegt werden musste. Es war somit von der Bedienung her einfacher. Thematischer Schwerpunkt der Bilder waren Reiseziele und wissenschaftliche Dokumentationen. Erhältlich waren auch spezielle Stereokameras und leere Bildscheiben, mit denen man eigene Fotoaufnahmen für den View-Master herstellen konnte. Die anfangs einzeln verkauften Bildscheiben wurden ab Anfang der 1950er-Jahre zu Serien mit üblicherweise drei Scheiben zusammengefügt.

Ab 1952 wurde in den USA von der Firma Sawyer′s eine Stereokamera unter dem Namen „View-Master Personal Stereo Camera“ vermarktet, mit der Endverbraucher unter Verwendung normaler Kleinbild-Diafilme eigene Stereo-Bildpaare erstellen konnten. In Europa kam 1961 eine überarbeitete Kameraversion als „View-Master Stereo Color Camera“ auf den Markt. Zu dieser Zeit standen 140 Titel zur Verfügung. Darunter waren Märchen-, Walt-Disney-, Tier-, Europa-Reise-, Nationen der Welt-, und Weltreiseserien. Die mit einem eigenen Schnittgerät zugeschnittenen Bildpaare ließen sich in eigens angebotene Blankoscheiben einfügen. Blankoscheiben werden seit etwa den 2010er Jahren erneut angeboten.

Neben den Handgeräten, wie Mod. G Standard, Mod. F, und Mod. D, zum Ansehen der 3D-Bilder für eine Person gab es auch spezielle Bildprojektoren, wie Mod. De Luxe, Mod. Standard und Mod. Junior. Einfachere und damit kostengünstigere Geräte projizierten jeweils nur eines der Teilbilder, ermöglichten damit aber keinen räumlichen Eindruck. Der Projektor mit der Modellbezeichnung „Stereomatic 500“ konnte als einziges Projektionsgerät auch 3D Bilder auf die Leinwand projizieren. Dazu werden die beiden Bilder durch Polfilter kodiert. Zur Betrachtung ist eine Silberleinwand (z. B. Reflecta „Superstar“ oder „Twinstar“) und eine 3D-Brille (lineare Polfilter, 45° / 135° verdreht) erforderlich. Durch dieses System konnten mehrere Personen gleichzeitig dasselbe Bild räumlich betrachten. Institute und Universitäten nutzten den Projektor gelegentlich in Vorlesungen, wofür es ganze Bände mit wissenschaftlichen Bildscheiben gab.

Das zur gleichen Zeit existierende Tru-Vue-System besaß die Rechte an Walt-Disney-Produktionen. Durch die Übernahme von Tru-Vue durch View-Master 1951 konnten auch Walt-Disney-Filme vermarktet werden, das Tru-Vue-System wurde eingestellt. In der DDR hieß ein ähnliches System Stereomat.

In der Tschechoslowakei produzierte der Hersteller Meopta in den 1960er bis 1980er Jahren mehrere Varianten des View-Master-ähnlichen Meoskop sowie dazu passende Stereo-Kameras.

Im Zeitraum von 1970 bis 1981 wurde auch der „Sprechende View-Master“ angeboten. An der Rückseite jeder Bildscheibe war eine kleine Schallplatte, die mechanisch abgetastet wurde. Unten war ein Lautsprecher angebracht, aus dem der Ton zu den Bildern kam.

1966 wurde View-Master von General Aniline & Film Corporation (GAF) übernommen. Danach wechselte der Schwerpunkt der Bildserien zu Adaptionen von bekannten Spielfilmen, Trickfilmen und Comics. 1981 wurde View-Master erneut aufgekauft und in die View-Master International Group umfirmiert, die 1984 von Ideal Toys übernommen wurde und sich nun View-Master Ideal Group nannte. 1989 übernahm Tyco diese Firma und fusionierte 1997 mit Mattel, wo der View-Master heute im Spielzeugsortiment der Marke Fisher-Price zu finden ist.

Seit 2016 bietet Mattel unter dem Markennamen View-Master neue, digitale Virtual-Reality-Brillen für Kinder an, mit denen dreidimensionale 360°-Videos betrachtet werden können.